Johann Christoph Friedrich von Schiller Zitate (Anzeige: 1 - 30 von 1441 Zitate)

Johann Christoph Friedrich von Schiller Zitate

deutscher Dichter und Dramatiker

An die Freunde Liebe Freunde! Es gab schönre Zeiten Als die unsern – das ist nicht zu streiten! Und ein edler Volk hat einst gelebt. Könnte die Geschichte davon schweigen, Tausend Steine würden redend zeugen, Die man aus dem Schoß der Erde gräbt. Doch es ist dahin, es ist verschwunden, Dieses hochbegünstigte Geschlecht. Wir, wir leben</em>! Unser sind die Stunden, Und der Lebende hat recht. Freunde! Es gibt glücklichere Zonen Als das Land, worin wir leidlich wohnen, Wie der weitgereiste Wandrer spricht. Aber hat Natur uns viel entzogen, War die Kunst uns freundlich doch gewogen, Unser Herz erwarmt an ihrem Licht. Will der Lorbeer hier sich nicht gewöhnen, Wird die Myrte unsers Winters Raub, Grünet doch, die Schläfe zu bekrönen, Uns der Rebe muntres Laub. Wohl von größerm Leben mag es rauschen, Wo vier Welten ihre Schätze tauschen, An der Themse, auf dem Markt der Welt. Tausend Schiffe landen an und gehen, Da ist jedes Köstliche zu sehen, Und es herrscht der Erde Gott, das Geld. Aber nicht im trüben Schlamm der Bäche, Der von wilden Regengüssen schwillt, Auf des stillen Baches ebner Fläche Spiegelt sich das Sonnenbild. Prächtiger als wir in unserm Norden Wohnt der Bettler an der Engelspforten, Denn er sieht das ewig einzge Rom! Ihn umgibt der Schönheit Glanzgewimmel, Und ein zweiter Himmel in den Himmel Steigt Sankt Peters wunderbarer Dom. Aber Rom in allem seinem Glanze Ist ein Grab nur der Vergangenheit, Leben duftet nur die frische Pflanze, Die die grüne Stunde streut. Größres mag sich anderswo begeben, Als bei uns in unserm kleinen Leben, Neues – hat die Sonne nie gesehn. Sehn wir doch das Große aller Zeiten Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, Sinnvoll, still an uns vorübergehn. Alles wiederholt sich nur im Leben, Ewig jung ist nur die Phantasie, Was sich nie und nirgends hat begeben, Das allein veraltet nie!
Die Weltweisen Der Satz, durch welchen alles Ding Bestand und Form empfangen, Der Kloben, woran Zeus den Ring Der Welt, die sonst in Scherben ging, Vorsichtig aufgehangen, Den nenn ich einen großen Geist, Der mir ergründet, wie er heißt, Wenn ich ihm nicht drauf helfe – Er heißt: Zehn ist nicht Zwölfe. Der Schnee macht kalt, das Feuer brennt, Der Mensch geht auf zwei Füßen, Die Sonne scheint am Firmament, Das kann, wer auch nicht Logik kennt, Durch seine Sinne wissen. Doch wer Metaphysik studiert, Der weiß, daß, wer verbrennt, nicht friert, Weiß, daß das Nasse feuchtet Und daß das Helle leuchtet. Homerus singt sein Hochgedicht, Der Held besteht Gefahren, Der brave Mann tut seine Pflicht Und tat sie, ich verhehl es nicht, Eh noch Weltweise waren; Doch hat Genie und Herz vollbracht, Was Lock' und Descartes nie gedacht, Sogleich wird auch von diesen Die Möglichkeit bewiesen. Im Leben gilt der Stärke Recht, Dem Schwachen trotzt der Kühne, Wer nicht gebieten kann, ist Knecht, Sonst geht es ganz erträglich schlecht Auf dieser Erdenbühne. Doch wie es wäre, fing der Plan Der Welt nur erst von vornen an, Ist in Moralsystemen Ausführlich zu vernehmen. »Der Mensch bedarf des Menschen sehr Zu seinem großen Ziele, Nur in dem Ganzen wirket er, Viel Tropfen geben erst das Meer, Viel Wasser treibt die Mühle. Drum flieht der wilden Wölfe Stand Und knüpft des Staates daurend Band.« So lehren vom Katheder Herr Pufendorf und Feder. Doch weil, was ein Professor spricht, Nicht gleich zu allen dringet, So übt Natur die Mutterpflicht Und sorgt, daß nie die Kette bricht Und daß der Reif nie springet. Einstweilen, bis den Bau der Welt Philosophie zusammenhält, Erhält sie das Getriebe Durch Hunger und durch Liebe.
Die Freundschaft Freund! genügsam ist der Wesenlenker – Schämen sich kleinmeisterische Denker, Die so ängstlich nach Gesetzen spähn – Geisterreich und Körperweltgewühle Wälzet eines Rades Schwung zum Ziele; Hier sah es mein Newton gehn. Sphären lehrt es, Sklaven eines Zaumes, Um das Herz des grossen Weltenraumes Labyrinthenbahnen ziehn – Geister in umarmenden Systemen Nach der grossen Geistersonne strömen, Wie zum Meere Bäche fliehn. War's nicht dies allmächtige Getriebe, Das zum ew'gen Jubelbund der Liebe Unsre Herzen an einander zwang? Raphael, an deinem Arm – o Wonne! Wag' auch ich zur grossen Geistersonne Freudigmuthig den Vollendungsgang. Glücklich! glücklich! dich hab' ich gefunden, Hab' aus Millionen dich umwunden, Und aus Millionen mein bist du – Lass das Chaos diese Welt umrütteln, Durcheinander die Atomen schütteln; Ewig fliehn sich unsre Herzen zu. Muss ich nicht aus deinen Flammenaugen Meiner Wollust Wiederstrahlen saugen? Nur in dir bestaun' ich mich – Schöner malt sich mir die schöne Erde, Heller spiegelt in des Freunds Geberde Reizender der Himmel sich. Schwermuth wirft die bangen Thränenlasten, Süsser von des Leidens Sturm zu rasten, In der Liebe Busen ab; Sucht nicht selbst das folternde Entzücken In des Freunds beredten Strahlenblicken Ungeduldig ein wollüst' ges Grab? Stünd' im All der Schöpfung ich alleine, Seelen träumt' ich in die Felsensteine, Und umarmend küsst' ich sie – Meine Klagen stöhnt' ich in die Lüfte, Freute mich, antworteten die Klüfte, Thor genug! der süssen Sympathie. Todte Gruppen sind wir – wenn wir hassen, Götter – wenn wir liebend uns umfassen! Lechzen nach dem süssen Fesselzwang - Aufwärts durch die tausendfachen Stufen Zahlenloser Geister, die nicht schufen, Waltet göttlich dieser Drang. Arm in Arme, höher stets und höher, Vom Mongolen bis zum griech'schen Seher, Der sich an den letzten Seraph reiht, Wallen wir, einmüth'gen Ringeltanzes, Bis sich dort im Meer des ew'gen Glanzes Sterbend untertauchen Mass und Zeit. – Freundlos war der grosse Weltenmeister, Fühlte Mangel - darum schuf er Geister, Sel'ge Spiegel seiner Seligkeit! Fand das höchste Wesen schon kein gleiches, Aus dem Kelch des ganzen Seelenreiches Schäumt ihm – die Unendlichkeit.